HomeSchulprofilGeschichte

Geschichte der Schule in der Schlossstraße

Am Schlossplatz öffnete am 06. April 1902 die Realschule ihre Pforten - die Aufnahmeprüfungen für 43 Schüler fanden statt. Dr. Albert Petri, der erste Direktor, konnte 2 Tage später 26 davon in der V. und 17 in der VI. - der niedrigsten Klasse - begrüßen. Die armen Schüler hatten in einem Schuljahr 80 - 100 regelmäßige schriftliche Kontrollen in den verschiedenen Fächern zu bewältigen; darunter wöchentliche Diktate und zehn (!) Klassenaufsätzen allein in der Abschlußstufe.
Auch der Ablauf war ein völlig anderer als heute: Zu Ostern gab es Zeugnisse und - selbstverständlich - besuchten nur Jungen diese Schulart. 11-Jährige (die VI. Klasse oder auch Sexta) hatten wöchentlich 29 Stunden, darunter 6 Deutsch, 4 "Rechnen", 6 Französisch oder 3 Religion. Ab der nächsten Stufe stieg die Stundenzahl auf 37 an, denn nun wurden auch Fächer wie Geschichte, Englisch (5 Stunden) unterrichtet. Später kamen Chemie und Physik hinzu. Und natürlich gab es damals Ferien: 12 Wochen insgesamt, 5 davon im Sommer.
 
Der Realschulabschluss bot viele Entwicklungsmöglichkeiten. Man/n hatte damit die Berechtigung erworben, z. B.  zum einjährigen Militärdienst zu gehen oder die mittlere Beamtenlaufbahn einzuschlagen oder Apotheker zu werden oder die Königliche Gärtnerlehranstalt in Potsdam zu besuchen oder auch an Höheren Schulen weiter zu lernen, um ein Studium aufzunehmen.
1907 bestanden die ersten 2 (!) der 1902 in die V. Klasse eingeschulten 26 ihr Abitur. Damit hatte die Realschule in Schmölln durchaus ihr fachliches Können unter Beweis gestellt. Die Abiturprüfungen unterschieden sich gar nicht so sehr von unseren heutigen: Für das Fach Deutsch musste in 4 Stunden ein Aufsatz geschrieben werden. Die Aufgabe erinnert manchen der Abiturienten des Jahres 2013 an sein Orientierungsthema - "Die Natur, des Menschen Freundin und Feindin". In Mathe wird es schon schwieriger. "Eine Messingkugel von 7,5 cm Durchmesser wird zu einem Würfel abgefeilt, dem größten, den man erhalten kann. Wieviel ist dieser leichter als die Kugel, wenn das spezifische Gewicht des Messings zu 8,39 angenommen wird?" Viel Spaß beim Lösen der 1. Aufgabe!!!
 
Das Schulgeld von 100 Mark pro Schüler scheint die reichen Söhne zu bevorzugen. Aber die Schmöllner Gründungsväter legten Wert darauf, dass auch sozial Schwächere den Realschulabschluss erringen konnten, wenn sie sehr gute schulische Leistungen und "ein einwandfreies Verhalten" nachweisen konnten. Dann konnte nach Prüfung durch eine Kommission über den vollen oder halben Erlass des notwendigen Schulgeldes entschieden werden. So reichte das Spektrum der Eltern vom Gutsbesitzer, Prokuristen und Lehrer bis zum Knopfarbeiter oder Briefträger.
 
Bereits in den ersten Jahren beteiligte sich die Realschule Schmölln an wissenschaftlichen Austauschprogrammen, die deutschlandweit galten. Die Lehrer waren angehalten, Artikel für regionale Zeitschriften zu verfassen.
1912 war das Ansehen der Schmöllner Schule so groß, dass der Stadtrat einstimmig beschloss, eine Oberrealschule (aus der bisherigen Realschule) entstehen zu lassen. Das wurde allerdings wegen der geringen Schülerzahl abgelehnt - von der Lehrerschaft.

1914, mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wurden sehr rasch 3 Lehrer eingezogen. Wie heute stellte sich damals die Frage,  wie den Unterrichtsausfall abfangen? Ersatz war zunächst nicht in Sicht. Also wurde die Stundenzahl der Lehrer erhöht - selbst der Direktor lehrte 30 Stunden pro Woche! Er meinte, dass seine Kollegen den erhöhten Einsatz "mit Freude" schultern. Nun ja... Dann setzte man zum ersten Mal Lehrerinnen ein, trotzdem konnte die volle Wochenstundenzahl nicht mehr erhalten bleiben. Eine Verkürzung für die höchste Klasse war die Folge. Jetzt senkte sich die Zahl von 37 auf 32 Stunden pro Woche.
 
Die folgenden Kriegsjahre und die damit verbundenen Entbehrungen trafen die Schmöllner und ihre Realschule schwer - trotz nationalistischer Durchhalteparolen. Insgesamt 216 Schüler waren im Krieg, 54  kamen nicht mehr in ihre Heimat zurück - gefallen u. a. vor Verdun.

1920 bildete sich das Land Thüringen  und unsere Schule in der Schloßstraße führte den Namen Staatliche Realschule. Ab jetzt, mit Beginn der Weimarer Demokratie, gab es entscheidende Zäsuren: Es gründete sich ein Elterbeirat aus 15 "Damen und Herren" und zum ersten Mal durften Mädchen diese Schulart besuchen. Sehr schnell wuchs deren Anzahl auf über 60!
 
Nachdem 1922 das Thüringische Ministerium für Volksbildung die bisherige Schulverwaltung übernahm, wurde ein einheitliches Schulsystem eingeführt. Nun war es z. B. möglich, anstatt Religion Lebenskunde zu besuchen oder - nur für Mädchen Handarbeit. Auch Lehrpläne und die aus der Kaiserzeit stammenden Lehrbücher wurden ausgetauscht. Prüfungsthemen erarbeitete die Schule selbst, diese wurden durch die Schulaufsicht geprüft und bestätigt. Aber ab jetzt musste die Stadt Schmölln für den Unterhalt der Schule selbst aufkommen. Keine leichte Aufgabe Anfang der 20er Jahre.
Hinzu kommt ein Ansteigen der Schülerzahlen 1922/23 auf über 50, was normalerweise eine Klassenteilung mit sich bringt. Das aber ging nicht - wegen Platz- und Lehrermangels. 1923 war die Armut unter Schülern am größten - wie überall in Deutschland damals. Heizmaterial gab es kaum und musste zum Teil von zu Hause mitgebracht werden. Kurzstunden waren die Folge. Angesichts der steigenden Geldentwertung, besonders mit Beginn des Herbstes, als das Geld innerhalb eines Tages bis zu 80% des Wertes verlor, verdiente ein Lehrer fast nichts mehr. Viele versuchten, sich mit Nebenjobs über Wasser zu halten, als Standesbeamter oder Friedensrichter. Auch Lehrermangel war ein Thema der Zeit - das Land Thüringen hatte absolute Sparsamkeit verordnet, was Schulen stets am tiefsten trifft.
Dazu kamen neue "Aufgaben" der Lehrer: Bummelnde Schüler mussten abgeholt oder Außenstände beim Schulgeld eingetrieben werden.
 
Erst um 1926 kehrten wieder Kontinuität und Ruhe in den Schulalltag zurück.

Über 11000 Fotos . . .

Über 30 Lernkurse . . .

Go to top