Im Moment findet im Friedrich-Gymnasium in Altenburg eine Ausstellung zu Anne Frank statt. Aus diesem Anlass sollte auch ein Programm am Roman-Herzog-Gymnasium in Schmölln veranstaltet werden. Wir haben erwartet, dass diese Vorstellung auch von dem Leben Anne Franks handelt, aber das Projekt wurde auf eine noch persönlichere Ebene übertragen. Am Freitag, den 24. Juni 2022 hat Yoed Sorek, ein Enkelkind der den Holocaust überlebenden Jüdin Sima, unsere Schule besucht. Er wurde in Jerusalem geboren und lebt nun schon 12 Jahre in Deutschland. Dabei besucht er oft Schulen, leitet Gottesdienste und hat sogar eine eigene CD herausgebracht. Yoed hat uns die Geschichte seiner Großmutter erzählt und dabei jiddische Lieder gesungen und erklärt. Außerdem hat er uns die jiddische Sprache nähergebracht und ihre Hintergründe für uns beleuchtet. Seine Erzählungen handelten vom Leben im Ghetto, vom Umgang mit Juden zu Zeiten des Nationalsozialismus und vom Arbeitslager in Ponar, in dem Massenmord an Juden und anderen Minderheiten begangen wurde. Dabei hat er allerdings auch einigen schönen Momenten Beachtung geschenkt und lustige Lieder wie „Bulbes“ (jiddisches Wort für „Kartoffeln“) gesungen. Ihre Autobiografie hat Sima auf Jiddisch selbst verfasst, später wurde sie dann in andere Sprachen übersetzt. Zum Schluss gab es eine Fragenrunde, bei der Yoed sowohl über seine eigenen Erfahrungen als Jude im heutigen Deutschland, aber auch über seine Großmutter gesprochen hat. Sima ist schon vor einigen Jahren verstorben. Nach den Erzählungen von Yoed hatte sie eine großartige Einstellung gegenüber der Vergangenheit. Trotz schlimmer Erlebnisse, Verlusten und Enttäuschung verspürte sie keinen Hass und blieb eine lebensfroher Mensch. Auch die Botschaft ihres Enkels war sehr inspirierend. Sein Wunsch für die Zukunft ist, dass alle Menschen miteinander reden und Hass und Konflikte nicht mehr mit Schweigen oder Gewalt beantwortet werden, sondern durch Kommunizieren. Es war sehr bewegend, eine persönliche Geschichte von einer Holocaust-Überlebenden zu hören. Es sollte noch so viel wie möglich mit Zeitzeugen und ihren Nachkommen über deren Erfahrungen gesprochen werden, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Verfasst von Luna Stein und Finja Dallmann, 26.06.2022

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